Unsere Yucatan-Rundreise unter dem Motto „auf den Spuren der Maya“ könnte auch „auf den Spuren von Catherwood & Stephens“ heißen. Waren es doch John Lloyd Stephens und Frederick Catherwood, die mit Ihren Entdeckungsreisen den Grundstein für die Entdeckung und Erforschung der Hochkultur der Maya legten.
Von 1839 bis 1841 erforschten Catherwood und Stephens praktisch das gesamte Maya-Gebiet. Während Stephens für die schriftliche Dokumentation zuständig war, zeichnete Catherwood detailgetreu die vom Dickicht des Dschungels befreiten Tempel, Pyramiden, Ballspielplätze und Stelen. Die beiden besuchten 44 verschiedene Stätten und entdeckten einige neu, darunter: Copan im heutigen Honduras, Quirigua, Iximche und Q’umakaj im heutigen Guatemala, sowie Palenque und Uxmal in Mexiko. 1841 publizierte Stephens seine Entdeckungen im Buch „Incidents of Travel in Central America, Chiapas, and Yucatan„. Eine zweite Forschungsreise führte sie nach Yucatan, woraus 1843 Stephens Buch „Incidents of Travel in Yucatan“ entstand. Beide Bücher wurden zu einem Welterfolg, nicht zuletzt dank Catherwoods präziser und stimmungsvoller Illustrationen. 1844 löste Catherwood mit seinem eigenen Werk „Views of Ancient Monuments in Central America, Chiapas and Yucatan“ Begeisterung aus.
Die heute bekanntesten Maya Stätten entstanden in der Klassischen Periode 300-900 n. Chr. und in der Periode der mexikanischen Verschmelzung 900-1200 n. Chr. Ein „Reich der Maya“ in unserem Sinne hat es nie gegeben. Die einzelnen Stadtstaaten der Maya bildeten keine politische Einheit, es bestand vielmehr eine „föderative staatliche Ordnung“, die sich auf kulturelle Verwandtschaften gründete und in den verschiedenen Provinzen autonom war. Zu Beginn der christlichen Zeitrechnung lebten im Hochland von Guatemala, in Honduras, El Salvador und im Süden Mexikos Indianerstämme, deren Sprachen auf gemeinsame Wurzeln hinweisen, nämlich die Sprache der Maya, die in zahlreichen Dialekten gesprochen wurde. Erste Siedlungsreste lassen den Beginn der Maya Kultur auf ca. 3000 Jahre V. Chr. vermuten. Im Lauf der Geschichte lässt sich eine Verlagerung der kulturellen Zentren vom Hochland ins Tiefland und dann in den Norden der Halbinsel Yucatán, wie beispielsweise Chichén Itzá beobachten. Zur Zeit der Ankunft der Spanier Ende des 15. Jahrhunderts lagen die meisten Zentren der nachklassischen Maya-Kultur im Norden von Yucatán. Im Gegensatz zu vielen anderen indigenen Völkern existieren die Maya noch heute und leben in Mexiko auf der Halbinsel Yucatán, und in Chiapas, sowie in Belize, Guatemala, Honduras und El Salvador (insgesamt ca. 6,1 Millionen). Den höchsten Maya Anteil an der Bevölkerung findet man in Guatemala.
Geologisch besteht die Halbinsel Yucatán überwiegend aus porösem Kalkstein, weshalb es keine Flüsse oder Seen an der Oberfläche gibt. Das Niederschlagswasser versickert dort vollständig, bis es auf tiefer (meist 20- 30 Meter) liegende, tonhaltige, Gesteinsschichten trifft. Dort bilden sich unterirdische Seen und Flüsse. Aufgrund dieser geologischen Besonderheit sind auf Yucatan über Jahrtausende die sehr beeindruckenden Cenoten entstanden. Cenoten sind natürliche Karsthöhlenbecken. Sie entstehen hauptsächlich in kalkhaltigen Gebieten, wo das Regenwasser den Kalkstein über Jahrtausende hinweg auflöst und sich unterirdische Höhlen und Flüsse gebildet haben. Schließlich können Teile des Höhlendachs einstürzen und dabei das Wasserbecken an der Oberfläche frei geben. Cenoten spielten eine wichtige Rolle in der Kultur der Maya, die sie sowohl als Wasserquelle als auch als rituelle Stätten nutzten. So errichteten die Maya ihre Städte auf Yucatan in der Regel an oder um eine Cenote herum. Eine der bekanntesten Cenoten ist die heilige Cenote von Chichén Itzá. Der Name der Stadt bedeutet „Am Rande des Brunnens der Itzá“. Mit dem „Brunnen“ war die Wasserführende Cenote gemeint, die heute als Cenote Sagrado bezeichnet wird. Eine weitere wasserführende Cenote befindet sich südlich der Stadt.

Ausgangspunkt für die spätere Entwicklung der Maya Architektur ist die sogenannte Maya-Hütte, ein, zum Schutz vor eindringendem Wasser und am Boden lebenden Tieren, meist etwas erhöht stehender Bau aus ca. 2 m langen Ästen, die mit Hilfe von dünnen Zweigen oder Pflanzenfasern zusammengebunden waren. Die ca. 3 m breiten und ca. 8 m langen Hütten waren abgerundet. Die Dächer waren mit Schilf oder Maisstroh gedeckt. Die Hütten hatten nur eine Tür und keine Fenster. Die heute sichtbaren Überreste der Maya Bauwerke bestehen ausschließlich aus Steingebäuden. Bauwerke aus Holz oder Lehm sind aufgrund der Witterung Mittelamerikas im Laufe der Jahrhunderte verrottet und allenfalls als Fundamentspuren erhalten. Von den Bauten der Maya haben sich vor allem zwei unterschiedliche Grundtypen erhalten. Typisch sind die in vertikaler Ausrichtung errichteten Tempelpyramiden und die in vorwiegend horizontaler Ausrichtung erbauten Palastanlagen. Beiden Typen gemeinsam ist das Fehlen von Giebeln. Die Pyramidenbauten dienten vor allem als Unterbau von Opferstätten einer kultischen Verwendung. Auf ihrer Spitze befand sich meist ein Tempel, auf dem die Opferzeremonien durchgeführt wurden. Die genaue Verwendung der sogenannten Paläste ist dagegen unklarer und nicht vollständig erforscht. Die Maya entwickelten eine Form des Betons, sowie einen Schalenbau, bei dem doppelte Mauern aus behauenem Stein ausgegossen und verfüllt wurden. Dies ist an den heutigen Ausgrabungsstätten wunderbar zu erkennen, wie hier in Uxmal.

Als Baustoffe dienten vor allem gestampfte Erde, Natursteine und auch eine Form von Stuck. Auch den dafür notwendigen Kalk konnten die Maya bereits herstellen. Ein weiteres, kennzeichnendes Merkmal für die Maya Architektur ist das Fehlen von Rundbögen und echten Gewölben. Diese waren den Maya unbekannt und der Baustil ist somit von horizontalen, vertikalen und gewinkelten Linien geprägt. Durch die Verwendung von Kraggewölben ergab sich, dass Innenräume nicht besonders weit überspannt werden konnten und somit relativ klein und eng, ähnlich den Maya Hütten, erbaut wurden.

Anstelle großer Räume bauten die Maya stattdessen häufig mehrere kleine Räume in Reihen. Da die Maya zudem so gut wie keine Fenster nutzten und Licht lediglich durch die Türöffnungen einfiel, entwickelten sie keine bedeutende Innenarchitektur. Selten wurden Spuren von Malereien gefunden. Ihre Bauten waren vor allem auf die Außenwirkung konzipiert. Ein weiteres Merkmal der Maya Architektur ist, dass ältere oder zu klein gewordene Bauten in der Regel nicht abgerissen, sondern bei Bedarf vergrößert und überbaut wurden. So sind im Inneren der Bauwerke von vielen Tempeln und Pyramiden die Vorgängerbauten verborgen. Sichtbar und gut erkennbar sind die Überbauungen besonders an der Pyramide des Wahrsagers in Uxmal, die fünf überbaute Tempel enthält. Stilistisch wiederkehrende Formen sind die mächtigen verzierten Dachgesimse, oder die Aufbauten aus komplizierten Steinornamenten zur Bekrönung der Dächer. Vielerorts wurden die Fassaden der Gebäude mit Masken und Tiermotiven dekoriert. Die Maya entwickelten in verschiedenen Regionen des von ihnen bewohnten Gebiets unterschiedliche Baustile und nahmen auch stilistische Einflüsse benachbarter Völker wie den Tolteken auf. Bekanntestes Beispiel hierfür ist wohl Chichén Itzá.
Die Maya verwendeten keine Lasttiere. Das Rad (obwohl prinzipiell bekannt und für Spielzeug in Form von Tierfiguren verwendet) fand als mechanisches Hilfsmittel keine Verwendung, was auf den Mangel an Zugtieren und das unwegsame Gelände zurückgeführt wird. Die großen Mengen Baumaterial wurden daher ausschließlich durch Menschenkraft bewegt. Metallverarbeitung (Gold, Silber, Kupfer) spielte erst spät und fast ausschließlich für religiöse Zwecke eine Rolle, nicht für die Werkzeugherstellung. Als Werkzeuge (Äxte, Beile, Hämmer und Messer) verwendeten die Maya hautsächlich das Vulkanglas Obsidian, welches in Mittelamerika weit verbreitet ist. Zudem nutzten die Maya Krieger Speerschleudern, sowie mit Obsidian-Klingen ausgestattete Schlagwaffen wie Keulen, und Äxte, aber auch Messer. Ebenfalls verwendet wurden Blasrohre, Speere, sowie Pfeil und Bogen. Während Helme weniger verbreitet waren, nutzten die Maya Schilde aus Holz, Tierhaut und aus gewebten Matten. Späte, toltekische Darstellungen zeigen sehr aufwendig kostümiert und geschmückte Krieger. Die Maya führten häufig untereinander Kriege. Manche Forscher sehen darin einen der Gründe für den Untergang der klassischen Maya-Kultur.

Die Maya entwickelten einige der genauesten astronomischen Systeme der Welt, noch vor der Erfindung von Teleskopen, unterstützt durch ihr voll entwickeltes Schriftsystem und ihre beachtlichen mathematischen Fähigkeiten. Die Maya verstanden viele astronomische Phänomene. So war beispielsweise ihre Berechnung der Länge des tropischen Sonnenjahres genauer als die der Spanier, als diese erstmals ankamen. Zudem sind viele Tempel und Bauten der Maya Architektur auf Himmelsereignisse ausgerichtet. So steigt beispielsweise die Sonne zur Tagundnachtgleiche exakt mittig der Pyramide des Wahrsagers in Uxmal auf, wie man auf der folgenden Aufnahme erkennen kann.

Der Maya-Kalender beruht auf drei Systemen oder Berechnungen. Dem „Sonnenjahr“, haab mit 365 Tagen, der „Zählung der Tage“, tzolkin mit 260 Tagen und dem „Venus-Jahr“, das von den Maya auf 584 Tage errechnet wurde und in das die beiden anderen Systeme eingebaut sind. Nach unseren heutigen Berechnungen beträgt das Venus-Jahr eine Umlaufzeit von 583 und 92 Hundertstel Tagen. Für die damalige Zeit eine erstaunliche Rechenleistung. Der haab besteht aus 18 Monate zu 20 Tagen, ergänzt durch 5 Tage ohne Namen. Der tzolkin besteht aus 13 Monaten zu 20 Tagen, die Kombination von haab mit tzolkin ergeben das genaue Datum. Erst nach 52 Jahren ist die selbe Stellung der Zyklen in der Kombination wieder erreicht. Die Zahl 20 diente als Recheneinheit. So ergeben 20 Jahre zu 360 Tagen ein katun. Setzt man die Multiplikation fort, so entstehen Zyklen, die unseren Jahrhunderten und Jahrtausenden entsprechen. Diese Rechnung geht bis I-alautun, einem Zyklus mit 23 Milliarden und 40 Millionen Tagen. Der Maya-Kalender und das Zahlensystem, das schon tausend Jahre vor den Arabern mit der Null operierte, gilt bis heute als eine der brillantesten Geistesschöpfungen der Menschheit.
Eine weitere, bis heute bedeutende Entwicklung der Maya war die Kultivierung von Mais aus dem Wildgras Teosinte. Auf Grund von Spuren geht man davon aus dass die Kultivierung bereits vor etwa 8700 Jahren begann. Die Maya schafften es aus einem Einfachen Wildgras mit kaum verdaulichen und gerade einmal ca. einem Dutzend Körnern den heute bekannten Mais zu entwickeln. Heute nimmt der Mais bei der Weltgetreideernte den ersten Platz ein, noch vor Weizen und Reis.

Auffällig an den Ruinenstätten der Maya-Kultur ist das Vorherrschen religiöser Bauten. Deren religiöse Bedeutung zusammen mit den Priestern scheinen im Leben der Maya eine herausragende Rolle gespielt zu haben. In der klassischen Periode wurden die Stadtstaaten zumeist von Königen regiert, die gleichzeitig die höchste oder wichtigste religiöse Funktion innehatten. Darstellungen zeigen aber auch, dass sich die Herrscher, sowie die Führungsschicht der Mayagesellschaft den religiösen Ritualen unterwarfen. Die Maya glaubten an einen zyklischen Charakter der Zeit. Die Rituale und Zeremonien waren eng mit den astronomischen und irdischen Zyklen der Natur verbunden. Immer wiederkehrende Vorgänge wurden systematisch beobachtet und in den Maya-Kalendern verzeichnet. Die Aufgabe der Maya-Priester lag darin, die Zyklen zu interpretieren, was insbesondere dadurch geschah, dass verschiedene Zyklen numerisch aufeinander bezogen wurden. Die Maya-Religion basierte auf einer Vielzahl von Göttern, die jedoch als sterbliche, menschen- oder tierähnliche Wesen verehrt wurden. Opfer dienten daher auch nicht allein dazu, die Götter gewogen zu stimmen, sondern auch, um die Götter am Leben zu erhalten. Trotz der Vielzahl an Göttern hat die Maya Religion eine einfache Ausrichtung. Das Leben wird als (beschwerlicher) Weg von Osten (Mondaufgang, Leben, Farbe Rot) nach Westen (Sonnenuntergang, Tod, Farbe Schwarz) betrachtet. Bei den Mayas spielt auch das (rote, lebenserhaltende) menschliche Blut eine besondere Rolle. Hochgestellte Persönlichkeiten gewannen das Blut etwa, indem sie sich dornige Fäden durch Lippe oder Zunge zogen. Abbildungen verbinden das dargestellte Blutopfer zudem oft mit der Darstellung der Quetzalcoatl, der gefiederten Schlange auch bekannt als Kukulkan. Aus Sicht der Maya war das Blut Sitz der Seele und Lebenskraft, die Seele selbst stellte man sich jedoch luft- oder rauchförmig vor. Menschenopfer waren bei der Religionsausübung der Maya üblich. Geopfert wurden sowohl Kriegsgefangene als auch Mitglieder der eigenen Gruppe, auch aus der Oberschicht.

Das Ballspiel hatte bei den Maya ebenfalls eine herausragende Rolle, weshalb es in allen bedeutenden Maya-Städte Ballspielplätze gab. Typischerweise wird der Ballspielplatz aus zwei parallel verlaufenden, massiven Mauerblöcken gebildet, zwischen denen zwischen niedrigen Bänken die Spielgasse verläuft, in der das eigentliche Spiel stattfand. Die seitlichen Mauerblöcke sind in der Regel etwa 7 Meter hoch und dienten hauptsächlich als die Reflexwand, von der der auf sie treffende Ball zurück in die Spielgasse geleitet wurde. Beim Ballspiel musste der Ball ohne Hilfe der Hände und Beine gespielt werden, erlaubt waren nur Schultern, Brust und Hüfte. Der Ball bestand aus Kautschuk, war massiv und etwa 3 bis 4 kg schwer. Auf Abbildungen kann man Schutzkleidung erkennen, die von den Spielern getragen wurde. Sie war aus gehärtetem Leder gefertigt, auch hölzerne Verstärkungen wurden angebracht. Außerdem trug ein Teil der Spieler zwei verschiedene Schuhe. Einer davon hatte einen Schutz für den Knöchel, damit sich der Spieler beim Zu-Boden-werfen (um den auf dem Boden laufenden Ball mit der Hüfte zu erreichen) nicht verletzte. Als Stütze und Schutz für die Hände diente hierbei ein bügeleisenförmiges Objekt aus Holz. Ziel des Spiels war es den Ball durch einen der beiden an den Reflexwänden angebrachten Ringe zu schießen. Da die Öffnungen nicht viel größer als der Ball waren, dürfte dies herausfordernd gewesen sein.

Zur Zeit der spanischen Eroberung waren die meisten Maya Städte bereits verlassen und die Hochkultur bereits untergegangen. Im Südlichen Tiefland (Südmexiko, Guatemala, Belize und Honduras) wurden die Städte, wie beispielsweise Palenque oder Tikal, bereits um 900 n. Chr. verlassen. Bis ca. 1500 n. Chr. entwickelten sich die bekannten Städte Uxmal und Chichén Itzá jedoch weiter, bis auch sie verlassen wurden. Die wahrscheinlichsten Gründe für den Zusammenbruch ist eine Kombination aus Bevölkerungswachstum bei gleichzeitiger Nahrungsmittelknappheit, resultierend aus einer regionalen, länger anhaltenden Klimaveränderung mit Dürren aufgrund von Raubbau und exzessiver Rodung, sowie sozialen Unruhen und Kriegen. Der endgültige Niedergang der Maya Zivilisation wurde der spanischen Eroberung besiegelt.
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Quellenangabe zu den Informationen über die Maya:
Die Götterburgen Mexicos – DuMont Kunst-Reiseführer von Hans Helfritz, DuMont Buchverlag, Köln 1968, ISBN 3-7701-0442-0,
Yucatan und die Maya-Kultur – Geocolor S.A. Barcelona, Spanien, 1978, ISBN 84-7424-040-9
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