Nach einer Dienstreise in der Nähe beschließe ich einen Tag in Oberstdorf zu verbringen und den Hindelanger Klettersteig zu gehen. Oberstdorf ist mit der Bahn super zu erreichen und alles Wichtige ist fußläufig erreichbar. Ich habe ein Zimmer mit Frühstück in einer Pension in zentraler Lage. Fünf Minuten sind es zum Bahnhof und ebenso zum nächsten größeren Supermarkt, wo ich mich mit dem nötigsten für die Tour versorgen kann. Zum Frühstück habe ich mir zwei extra Brötchen für die Tour bestellt, damit ich nicht noch beim Bäcker vorbei muss. Mein Rucksack mit der kompletten Ausrüstung wird am Abend des Anreisetags nochmal gecheckt und gepackt. Am nächsten Tag geht es nach dem Frühstück los Richtung Seilbahnstation. Tipp: so früh wie möglich los, die Tour ist lang und für den Rückweg vom großen Daumen zur Bergstation Höfatsblick sollte man ca. zwei Stunden einplanen. Generell empfehle ich eine gute Planung und Vorbereitung der Tour. An der Talstation angekommen muss ich leider etwas Wartezeit in Kauf nehmen, da mehrere Schulklassen bereits vor mir da sind. Vom Nebelhorn Gipfel ist der gesamte Gebirgskamm und damit der Verlauf des Hindelanger Klettersteiges bis hin zum Großen Daumen zu überblicken. Unterhalb der Station quert ein kleiner Bergpfad in Richtung Einstieg. Ich genieße die Aussicht bei herrlichem Wetter. Mit gut einer dreiviertel Stunde hinter Plan lege ich meine Klettersteig-Ausrüstung an und beginne die Tour.
Der Hindelanger Klettersteig wurde bereits von 1973 bis 1978 errichtet und 2003 überholt. Der Steig erfordert neben entsprechender Ausrüstung und Erfahrung sowie Sicherheit im hochalpinen Gelände, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Wo erforderlich, ist der Weg durch Stahlseile, Haken und Leitern gesichert. Obwohl der Klettersteig nach einer internationalen Norm überwiegend als mäßig schwierig, auf kurzen Stücken als schwierig bezeichnet wird, gilt er aufgrund seiner Länge jedoch als anspruchsvoll. Eine Begehung ist nur unter guten und stabilen Verhältnissen zu empfehlen.
Nach dem Einstieg mit den ersten einfachen Kletterstellen geht es über eine etwa 10 Meter hohen Leiter hinauf zum Grat des westlichen Wengenkopfes. Ein luftiger Grat führt über die ersten, ausgesetzten Kletterpassagen zum westlichen Wengenkopf. Vom Gipfel genieße ich bei guter Sicht das Panorama. Weiter geht es über den felsigen Kamm entlang der Stahlseilsicherungen, über Leitern, Felsscharten und exponierte Gratpassagen in Richtung des östlichen Wengenkopfes. Hier führt der erste Zwischenabstieg über das Koblat zurück zur Seilbahn Station Höfatsblick. Für mich geht es weiter über eine Menge Steighilfen, Drahtseilsicherungen und Eisenleitern. Vom östlichen Wengenkopf geht es erst einmal abwärts bis zum niedrigsten Punkt des Bergkammes. Der Weg zieht sich und ich spüre das auf und ab in den Beinen. Zum Abschluss der Tour gilt es nochmal eine luftige Felsformation zu erklettern und dann ein Felsband zu queren. Hier ist nochmal Kondition und Konzentration gefordert, bevor ich das Ende des Klettersteigs unterhalb des großen Daumens erreiche.
Da ich rechtzeitig die letzte Talfahrt erreichen muss, und ich für den Rückweg gut zwei Stunden eingeplant habe lasse ich den großen Daumen links liegen und steige ab Richtung Laufbichel See. Hier folge ich dem Koblatsweg zur Bergstation. Der Rückweg zieht sich und ist anstrengend. Es geht immer wieder bergauf und bergab. Eine halbe Stunde vor der letzten Talfahrt erreiche ich die Bergstation. Eine absolut empfehlenswerte Tour die ich sicher wiederholen werde.

































Quelle für ergänzende Informationen zum Hindelanger Klettersteig:
Markt Oberstdorf – http://www.oberstdorf.de